Vorster Straße 1: Unterschied zwischen den Versionen

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Das Eckgebäude Donkring 77 / Vorster Straße wurde 1898 als Gaststätte für Johann Bongartz, Wohnhaft Vorster Straße 1 errichtet. Planverfasser war der Architekt Hubert Dohmen. Auf Postkarten von 1930 wird das Haus als „Restaurant Thelen-Bongartz“ bezeichnet, mit „Gesellschaftszimmer, Autogaragen und Stallungen“.
[[Datei:AB 1898 Bongartz Vorster Straße 1.png|links|mini]]
[[Datei:Vorsterstrasse-60er.jpg|mini|418x418px|Donkring 77 und Vorster Straße 1 und 3 in den sechziger Jahren]]
Die Vorster Straße 1 ist nicht das Eckgebäude am Donkring, wie man meinen könnte - das ist der [[Donkring 77]] - sondern das daneben stehende Gebäude. Im Adressbuch von 1898 erscheint die Gastwirtschaft Bongartz noch unter Vorster Straße 1. Nach der [https://de.m.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkm%C3%A4ler_in_Kempen Liste der Baudenkmälter] wurde das Eckgebäude am Donkring tatsächlich erst 1898 als Gaststätte für Johann Bongartz, wohnhaft Vorster Straße 1, errichtet. Seltsamerweise erscheint dieses Eckgebäude in einer [http://s423565088.online.de/opendata/histKarten/Reinkarten%20PDF/(3246)%20Kempen/3246_016_1_1911_RE.pdf Karte von 1911] aber noch nicht (siehe rechts).  


Es handelt sich um ein zweigeschossiges Eckgebäude in städtebaulich prominenter Lage, an der Einmündung der nach Süden führenden Landstraße in die Ringstraße (Stadterweiterung des 19. Jhs.) Entlang des Ringes ist es 8 regelmäßige Fensterachsen breit gelagert, zur Vorster Straße hin erstreckt es sich mit vier Achsen einschließlich eines Eingangs. In der für diesen Eckhaustyp charakteristischen Weise in die Ecke als zusätzliche Achse abgeflacht und enthält den eigentlichen Eingang zur Gastwirtschaft (mit alter Tür). Darüber ist sie durch einen vorkragenden Erker mit turmartiger Überhöhung im Dachbereich betont.
Der Betrieb einschließlich Restauration von Johann Bongartz (siehe Eintrag im Adressbuch von 1898 links) war zunächst wohl tatsächlich noch nicht in dem Eckgebäude, sondern in der heutigen Nummer 1, dem ersten Gebäude auf der Vorster Straße hinter dem Eckhaus.


Der 4x1x4 Achsen große Eckbereich des Baukörpers erhält durch ein Mansarddach ein weiteres Dachgeschoss, während der Baukörper im Bereich der linken vier Achsen entlang des Donkrings durch ein einfaches Satteldach ohne Dachausbau niedriger ausfällt.


Die Straßenfassaden des Hauses zeigen eine Backsteinputzfassade, mit quaderrustizietem Erdgeschoss und verklinkertem Obergeschoss, in dem Brüstungen, Gewände und Gesimse durch ornamentierte Putzflächen bzw.- bänder dekoriert sind. Fenster und Türen des Erdgeschosses sind rundbogig, im Obergeschoss hochrechteckig mit strukturierten Putzgewänden. Die verschieferte Mansarde ist durch Gaubenfenster gegliedert, von denen allerdings nur noch der runde Okulus im turmartigen Aufbau der Eckachse seine ornamentierte Rahmung behalten hat.


An der Vorster Straße ist das Haus an das Nachbargebäude angebaut, der freistehende Giebel links am Donkring sowie die Rückseiten sind zeittypisch schlicht und backsteinsichtig ausgeführt.
Um 1908 war hier auch der ''Konsumverein für Kempen und Umgebung e. G m. b. H.'', also das Konsum, das man später auf der Peterstraße und dann auf der Engerstraße fand. Er erscheint unter dieser Adresse auch im Adressbuch von 1912.  


Im Inneren ist die originale Grundrissteilung samt wesentlicher wandfester Ausstattungsdetails weitgehend erhalten. Der Schankraum im Erdgeschoss ist durch Unterzüge in drei Raumteile gegliedert. Stuckierte Kapitelle sowie Kehlprofile und Mittelrosetten ergeben ein anschauliches historisches Raumbild. Zum Giebel hin schließt sich die ehemalige Küche an, mit strapazierfähigem Terrazzoboden. Der Seiteneingang an der Vorster Straße führt in einen Flur mit Treppenhaus, der separat Nebenräume und die Deckenstuck im Erdgeschoss und über alle Geschosse die Holztreppe, zweiarmig gegenläufig mit Wendepodest und gedrechselten Geländerstäben. Im Obergeschoss ist über der EG-Restauration der „ Gesellschaftsraum“ erhalten, mit Dielenboden und stuckierte Mittelrosetten an den Decken. Fremdenzimmer sowie Zimmer für Mägde und Wäsche- und Bügelarbeiten waren laut originalem Bauplan in der Mansarde untergebracht. Das Haus ist außerdem vollständig unterkellert.
Folgenden Text findet man im Verwaltungsbericht der Stadt Kempen von 1909:<blockquote>Nach längeren Verhandlungen wurde der genannte Verein am 16. Februar 1902 von etwa 50 dem Arbeiterstande angehörenden Personen gegründet. Sein Zweck ist, "die wirtschaftliche Lage seiner Mitglieder durch An- und Verkauf von Lebensmitteln und Waren sowie unter Umständen durch Selbstfabrikation derselben zu verbessern."<br>[[Datei:Karte Donkring 1911.png|mini|375x375px|Karte vom Donkring/Vorster Straße, 1911]]Die Mitgliederzahl betrug am Schlusse des Geschäftsjahres 1908 151 gegen 128 bei Beginn des Geschäftsjahres. Am Ende desselben sind durch Tod, Verzug und Aufkündigung 7 Mitglieder ausgetreten, so dass 144 in das neue Geschäftsjahr übernommen werden konnten.<br>
 
Vorstandsmitglieder sind die Herren: Ernst Meyer, Geschäftsführer, Gerhard Maaßen, Kassierer, und Theodor Anstötz, Schriftführer. Der Vorsitzende des Aufsichtsrates ist Herr Heinrich Kirner.<br>
Es handelt sich um ein außen und innen in den wesentlichen Teilen sehr anschaulich erhaltenes Gaststättengebäude der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, mit einer mehr als 100jähtigen Nutzungstradition. Hinzu kommt seine wertvolle städtebauliche Lage im Stadterweiterungsgebiet, in einer Ecksituation an der Einmündung einer der alten Landstraßen in die Ringstraße um den mittelalterlichen Ortskern. Innerhalb des hier rechtskräftigen Denkmalbereichs 2 besitzt es eine hohe Prägewirkung und setzt „einen auffallenden städtebaulichen Akzent“ (Satzung). Da auch im inneren sehr beachtliche Grundriss- und Ausstattungselemente der Bauzeit erhalten sind, ist eine Ausdehnung des Schutzumfangs vom städtebaulichen Erscheinungsbild auf das Gesamtgebäude einschließlich Inneres sachlich gerechtfertigt und angeraten.
Das Verkaufslokal befindet sich im Hause Vorsterstraße Nr. 1. Lagerhalter ist Herr Peter Kuhnen.<br>Im Jahre 1908 wurden 6% Dividende verteilt.<ref>Bürgermeister Lück (Hrsg.), Verwaltungsbericht für die Jahre 1898 bis 1909, S. 321<br>Es folgt dort noch die Bilanz zum 31. Dezember 1908</ref></blockquote>Es ist anzunehmen, dass die Restauration von Bongartz zu Beginn des Jahrhunderts in das neue Eckgebäude am Donkring gezogen ist und der Konsumverein dann die leerstehenden Räumlichkeiten in der Vorster Straße 1 übernommen hat.
 
Als über 100 Jahre alte Gaststätte sowie als prägender baulicher Bestandteil des Städteerweiterungsgebietes entlang der Ring- und Ausfallstraßen ist das Gebäude Donkring 77 / Ecke Vorster Straße bedeutend für Kempen. An seiner Erhaltung und Nutzung besteht aus den beschriebenen städtebaulichen Gründen sowie insbesondere wegen der anschaulich erhaltenen Nutzungs- und Ausstattungsstruktur auch aus wissenschaftlichen, hier architekturgeschichtlichen Gründen ein öffentliches Interesse. Es handelt sich daher gemäß § 2 (1) Denkmalschutzgesetz NRW um ein Baudenkmal.<ref>https://de.m.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkm%C3%A4ler_in_Kempen</ref>


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[[Kategorie:Vorster Straße]]

Aktuelle Version vom 19. Februar 2023, 15:21 Uhr

AB 1898 Bongartz Vorster Straße 1.png
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Donkring 77 und Vorster Straße 1 und 3 in den sechziger Jahren

Die Vorster Straße 1 ist nicht das Eckgebäude am Donkring, wie man meinen könnte - das ist der Donkring 77 - sondern das daneben stehende Gebäude. Im Adressbuch von 1898 erscheint die Gastwirtschaft Bongartz noch unter Vorster Straße 1. Nach der Liste der Baudenkmälter wurde das Eckgebäude am Donkring tatsächlich erst 1898 als Gaststätte für Johann Bongartz, wohnhaft Vorster Straße 1, errichtet. Seltsamerweise erscheint dieses Eckgebäude in einer Karte von 1911 aber noch nicht (siehe rechts).

Der Betrieb einschließlich Restauration von Johann Bongartz (siehe Eintrag im Adressbuch von 1898 links) war zunächst wohl tatsächlich noch nicht in dem Eckgebäude, sondern in der heutigen Nummer 1, dem ersten Gebäude auf der Vorster Straße hinter dem Eckhaus.


Um 1908 war hier auch der Konsumverein für Kempen und Umgebung e. G m. b. H., also das Konsum, das man später auf der Peterstraße und dann auf der Engerstraße fand. Er erscheint unter dieser Adresse auch im Adressbuch von 1912.

Folgenden Text findet man im Verwaltungsbericht der Stadt Kempen von 1909:

Nach längeren Verhandlungen wurde der genannte Verein am 16. Februar 1902 von etwa 50 dem Arbeiterstande angehörenden Personen gegründet. Sein Zweck ist, "die wirtschaftliche Lage seiner Mitglieder durch An- und Verkauf von Lebensmitteln und Waren sowie unter Umständen durch Selbstfabrikation derselben zu verbessern."

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Karte vom Donkring/Vorster Straße, 1911

Die Mitgliederzahl betrug am Schlusse des Geschäftsjahres 1908 151 gegen 128 bei Beginn des Geschäftsjahres. Am Ende desselben sind durch Tod, Verzug und Aufkündigung 7 Mitglieder ausgetreten, so dass 144 in das neue Geschäftsjahr übernommen werden konnten.

Vorstandsmitglieder sind die Herren: Ernst Meyer, Geschäftsführer, Gerhard Maaßen, Kassierer, und Theodor Anstötz, Schriftführer. Der Vorsitzende des Aufsichtsrates ist Herr Heinrich Kirner.

Das Verkaufslokal befindet sich im Hause Vorsterstraße Nr. 1. Lagerhalter ist Herr Peter Kuhnen.
Im Jahre 1908 wurden 6% Dividende verteilt.[1]

Es ist anzunehmen, dass die Restauration von Bongartz zu Beginn des Jahrhunderts in das neue Eckgebäude am Donkring gezogen ist und der Konsumverein dann die leerstehenden Räumlichkeiten in der Vorster Straße 1 übernommen hat.



Quellen:

  1. Bürgermeister Lück (Hrsg.), Verwaltungsbericht für die Jahre 1898 bis 1909, S. 321
    Es folgt dort noch die Bilanz zum 31. Dezember 1908