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====Aus der 200jährigen Geschichte der Löwenapotheke====
====Aus der 200jährigen Geschichte der Löwenapotheke====


Im Baumeisterhaus, [[Judenstraße]] 7/ Ecke [[Alte Schulstraße]] (alte Hausnummer 233), etablierte Nikolaus Marcelli 1810 die erste Löwen-Apotheke. Um 1740 hatte es der bekannte Stadtbaumeister Friedrich Vogts von seinem Schwiegervater Bartholomaeus Bongartz erworben und baute es bis 1742 gründlich um.  
Am 17. Februar 1810 teilte Kempens Bürgermeister Thissen dem Aachener Präfekten in einem Brief mit, er habe dem ehrenwerten Herrn Nicolas Marcelli, Apotheker in Kempen, die Konzession zugestellt. Im dem Baumeisterhaus [[Judenstraße]] 7 an der Ecke zur [[Alte Schulstraße|Alten Schulstraße]] eröffnete der Apotheker dann die Apotheke 'Zum goldenen Löwen'.


1970 wurde das schmucke Gebäude abgerissen, um einer Papierwarenhandlung Platz zu machen. Am 17. Februar 1810 teilt Kempens Bürgermeister Thissen dem Aachener Präfekten in einem Brief mit, er habe dem ehrenwerten Herrn Nicolas Marcelli, Apotheker in Kempen, die Konzession zugestellt.  
[[Datei:Loewenfenster.jpg|200px|rahmenlos|links|Das Portalfenster der Löwenapotheke Markt 7]]Marzellis Nachfolger August Hucklenbroich verlegte die Apotheke 1887 von der Judenstraße in das heutige Gebäude am Markt. Das hieß damals "das Bürgermeisterhaus" oder auch das Tenhoff'sche Haus; denn errichtet hatte es Joseph Tenhaff, der 1800 erster Kempener Bürgermeister unter der französischen Verwaltung war. Seither trägt die Apotheke den Namen "Löwen-Apotheke". Die Oberlichtvergitterung mit zwei geschmiedeten Löwen wurde erst 1949 gefertigt vom Kunstschmiedemeister Fritz Rasch aus Kevelaer.<ref>[https://www.kempen.de/de/inhalt/station-15-loewenapotheke/ Kempen.de - Altstadtrundgang]</ref>


[[Datei:Loewenfenster.jpg|200px|rahmenlos|links|Das Portalfenster der Löwenapotheke Markt 7]]Marzellis Nachfolger August Hucklenbroich verlegte das Geschäft 1887 von der Judenstraße in das heutige Gebäude am Markt. Das hieß damals "das Bürgermeisterhaus", denn errichtet hatte es Joseph Tenhaff, der 1800 erster Kempener Bürgermeister unter der französischen Verwaltung war. Seither trägt die Apotheke den Namen "Löwen-Apotheke". Die Oberlichtvergitterung mit zwei geschmiedeten Löwen wurde 1949 gefertigt vom Kunstschmiedemeister Fritz Rasch aus Kevelaer.<ref>[https://www.kempen.de/de/inhalt/station-15-loewenapotheke/ Kempen.de - Altstadtrundgang]</ref>
Schon im Adressbuch von 1879 erschienen unter der Rubrik ''Apotheken'' zwei Einträge: ''Dr. J. Reuland'' und die Apotheke ''Ignaz Rotering'' mit dem Inhaber ''Dr. Ferd. Rotering''. Bei Dr. J. Reuland steht die Hausnummer 101.<ref>Adressbuch Bürgermeisterei Kempen, 1879, S. 34</ref> Damals waren die Straßen noch nicht separat nummeriert. Die Nummer passt aber zur heutigen Adresse Buttermarkt 7, wenn man die Nummerierung von der Ellenstraße aus fortführt. Die heutige Ellenstraße 38 wurde hatte nämlich damals definitiv die Hausnummer 98. Offenbar war also in dem Haus schon eine Apotheke, bevor August Hucklenbroich 1884 von der Judenstraße zum Markt zog.<blockquote>Hermes, S. 87


Schon im Adressbuch von 1879 erschienen unter der Rubrik ''Apotheken'' zwei Einträge: ''Dr. J. Neuland'' und die Apotheke ''Ignaz Notering'' mit dem Inhaber ''Dr. Ferd. Notering''. Bei Dr. J. Neuland steht die Hausnummer 101.<ref>Adressbuch Bürgermeisterei Kempen, 1879, S. 34</ref> Damals waren die Straßen noch nicht separat nummeriert. Die Nummer passt aber zur heutigen Adresse Buttermarkt 7, wenn man die Nummerierung von der Ellenstraße aus fortführt. Die heutige Ellenstraße 38 wurde hatte nämlich damals definitiv die Hausnummer 98. Offenbar war also in dem Haus schon eine Apotheke, bevor August Hucklenbroich von der Judenstraße zum Markt zog.<blockquote>Hermes, S. 87


Die Entwicklung lehrte, daß zwei Apotheken in Kempen doch ihre Existenzsorgen hatten. Denn August Hucklenbroich verkaufte seine Apotheke am 4. November 1872 an den Apotheker Dr. J. C. Reuland aus Prüm, bisher Verwalter der Aulik'schen Apotheke in Münster. Er selbst wandte der Pharmazie den Rücken und gründete zusammen mit seinem Compagnon Beckers eine mechanische Flachsbereitungsanstalt in Kempen. Der Inhaber der Adler- Apotheke, Ignaz Rotering, war am 8. Februar 1871 gestorben und seine Apotheke laut Verzeichnis vom 4. Dezember 1872 in die Verwaltung von Adolph Stürmer aus Kolberg übergegangen, der sie am 1. November 1876 an Ferdinand Rotering, einen Sohn des Verstorbenen, zu übergeben hatte. Ferdinand erhielt am 14. Oktober 1876 seine Konzession”.
</blockquote>


Die Löwenapotheke war durch Rückkauf im Jahre 1879 wieder an August Hucklenbroich gekommen”), nachdem Dr. Reuland Kempen verlassen hatte. Am 15. Juli 1899 erhielt Joseph Kleinertz, bis dahin als Apotheker in Bocholt/Westfalen tätig, die Erlaubnis zur Fortführung der von ihm käuflich erworbenen Löwenapotheke. Kleinertz war seit dem 24. November 1893 als Apotheker zugelassen und starb am 30. November 1925 in Kempen. Nach Verpachtungen an Carl Jünger aus Stolberg vom 12. Januar bis 30.September 1926 und an Julius Seeling aus Bochum vom 16. Oktober1926 bis 30. April 1932 übernahm der Sohn Rudolf Kleinertz die Apotheke vom 10. Mai 1932 bis 30. September 194337). Bis zum 30. April 1938 war Rudolf Pächter seiner Mutter gewesen, ehe er selbst Eigentümer wurde. Er starb am 20. Mai 1947. Josef Lerdo aus Boppard pachtete die Löwenapotheke vom 1. Oktober 1943 bis zum 30. September 1957 und führt von diesem Tage an eine eigene Apotheke in Kempen, die Thomas-Apotheke an der Thomasstraße, die er am 1. Januar 1976 an Wolfgang Orthen verpachtete. Die Löwenapotheke ging durch Verpachtung an Dr. Hans Skaliks und dessen Ehefrau Ursula geb. Kleinertz, die selbst Apothekerin war, vom 1. Oktober 1957 bis zum 30. April 1961 wieder in Verwandtschaftsbesitz über. Seit dem 1. Mai 1961 hat der Apotheker Heinrich Brünsing die Löwenapotheke gepachtet, deren Eigentümerin die Witwe des verstorbenen Rudolf Kleinertz ist).</blockquote>
1899 kaufte Joseph Kleinertz das traditionsreiche Unternehmen. Er war verheiratet mit Ida ten Hompel und starb am 30. November 1925 in Kempen. Nach Verpachtungen an Carl Jünger aus Stolberg vom 12. Januar bis 30.September 1926 und an Julius Seeling aus Bochum vom 16. Oktober1926 bis 30. April 1932 übernahm am 10. Mai 1932 Sohn Rudolf Kleinertz<ref>[[:File:Totenzettel Kleinertz Rudolf 1947.jpg|Totenzettel von Rudolf Kleinertz]]</ref> nach Beendigung seiner Studien an den Hochschulen in Aachen, München und Braunschweig die väterliche Apotheke. Rudolf Kleinertz  wurde am 18. August 1901 in Kempen geboren. Am 30. März 1932 heiratete er Elisabeth Lentz aus Viersen, mit der er zwei Töchter hatte. Er führte die Apotheke bis zum 30. September 1943 und verstarb am 20. Mai 1947. Bis zum 30. April 1938 war Rudolf Pächter seiner Mutter gewesen, ehe er selbst Eigentümer wurde.  


1899 kaufte Joseph Kleinertz das traditionsreiche Unternehmen. Er war verheiratet mit Ida ten Hompel. Später übernahm deren Sohn Rudolf<ref>[[:File:Totenzettel Kleinertz Rudolf 1947.jpg|Totenzettel von Rudolf Kleinertz]]</ref> (1932 bis 1943) nach Beendigung seiner Studien an den Hochschulen in Aachen, München und Braunschweig die väterliche Apotheke. Rudolf Kleinertz wurde am 18. August 1901 in Kempen geboren. Am 30. März 1932 heiratete er Elisabeth Lentz aus Viersen, mit der er zwei Töchter hatte. Er verstarb am 20. Mai 1947.
Weiterer Pächter der Kleinetz'schen Apotheke wurden Josef Lerdo aus Boppard (1. Oktober 1943 bis zum 30. September 1957 ), der später die Thomas-Apotheke gegenüber der Burg eröffnete, Danach ging die Löwenapotheke durch Verpachtung an Dr. Hans Skaliks und dessen Ehefrau Ursula geb. Kleinertz, die selbst Apothekerin war, vom 1. Oktober 1957 bis zum 30. April 1961 wieder in Verwandtschaftsbesitz über. Lerdos Praktikant war von 1946 bis 1948 Heinrich Brünsing aus Kempen. Nach dem Pharmazie-Studium in Bonn pachtete er zunächst eine Apotheke in Papenburg bei Leer. Am 1. Mai 1961 übernahm er dann die Apotheke in Kempen. Seitdem wohnte er auch mit seiner Familie in der im ersten und zweiten Obergeschoss gelegenen Wohnung, die sich auch über die heutige Ellenstraße 41 erstreckt. Zur Familie gehörten Ehefrau Margot, geb. Thielebein, sowie die Kinder Claudia, Peter und Thomas. Margot Brünsing lebt heute im Kempener St.-Peter-Stift.<ref>Jakob Hermes widmet den Kempener Apotheken in seinem Buch ein eigenes Kapitel. Vgl. Hermes, Jakob, Das alte Kempen,  Krefeld, 1982, S. 83ff. Hier ein Ausschnitt:


Weitere Pächter der Kleinetz'schen Apotheke wurden Josef Lerdo aus Boppard (1943 bis 1957), der später die Thomas-Apotheke gegenüber der Burg eröffnete, und die Eheleute Dr. Hans Skaliks und Ursula, geb. Kleinertz (1957 bis 1961). Lerdos Praktikant war von 1946 bis 1948 Heinrich Brünsing aus Kempen. Nach dem Pharmazie-Studium in Bonn pachtete er zunächst eine Apotheke in Papenburg bei Leer. Am 1. Mai 1961 übernahm er dann die Apotheke in Kempen. Seitdem wohnte er auch mit seiner Familie in der im ersten und zweiten Obergeschoss gelegenen Wohnung, die sich auch über die heutige Ellenstraße 41 erstreckt. Zur Familie gehörten Ehefrau Margot, geb. Thielebein, sowie die Kinder Claudia, Peter und Thomas. Margot Brünsing lebt heute im Kempener St.-Peter-Stift.
Am 15. Juli 1899 erhielt Joseph Kleinertz, bis dahin als Apotheker in Bocholt/Westfalen tätig, die Erlaubnis zur Fortführung der von ihm käuflich erworbenen Löwenapotheke. Kleinertz war seit dem 24. November 1893 als Apotheker zugelassen und starb am 30. November 1925 in Kempen. Nach Verpachtungen an Carl Jünger aus Stolberg vom 12. Januar bis 30.September 1926 und an Julius Seeling aus Bochum vom 16. Oktober1926 bis 30. April 1932 übernahm der Sohn Rudolf Kleinertz die Apotheke vom 10. Mai 1932 bis 30. September 1943). Bis zum 30. April 1938 war Rudolf Pächter seiner Mutter gewesen, ehe er selbst Eigentümer wurde. Er starb am 20. Mai 1947. Josef Lerdo aus Boppard pachtete die Löwenapotheke vom 1. Oktober 1943 bis zum 30. September 1957 und führt von diesem Tage an eine eigene Apotheke in Kempen, die Thomas-Apotheke an der Thomasstraße, die er am 1. Januar 1976 an Wolfgang Orthen verpachtete. Die Löwenapotheke ging durch Verpachtung an Dr. Hans Skaliks und dessen Ehefrau Ursula geb. Kleinertz, die selbst Apothekerin war, vom 1. Oktober 1957 bis zum 30. April 1961 wieder in Verwandtschaftsbesitz über. Seit dem 1. Mai 1961 hat der Apotheker Heinrich Brünsing die Löwenapotheke gepachtet, deren Eigentümerin die Witwe des verstorbenen Rudolf Kleinertz ist.</ref>


Später wohnte Heinrich Brünsing dort mit seiner zweiten Ehefrau Ursula und deren Sohn Andreas Bruns, der am 1. Oktober 1998 die Apotheke übernahm. 1993 erwarben die Eheleute Brünsing bzw. Ursula Brünsing  von Elisabeth Kleinertz auch das Gebäude. Bis dahin bestand lediglich ein Erbpachtvertrag mit der Familie Kleinertz. Zum Grundstück gehört ein kleiner Hinterhof, ein kleiner innerstädtischer Garten und ein alter Lagerschuppen, der hinter der Ellenstraße 40 liegt und schon an die Häuser an der Moosgasse grenzt. Eine etwa 2 Meter hohe Mauer trennt das Grundstück von einem schmalen Hof der Ellenstraße 40. Der Grenzverlauf zwischen den Grundstücken war an dieser Stelle lange Zeit strittig und ist es möglicherweise heute noch.<ref>siehe hierzu auch [[Ellenstraße 41]]</ref>  
Später wohnte Heinrich Brünsing dort mit seiner zweiten Ehefrau Ursula und deren Sohn Andreas Bruns, der am 1. Oktober 1998 die Apotheke übernahm. 1993 erwarben die Eheleute Brünsing bzw. Ursula Brünsing  von Elisabeth Kleinertz auch das Gebäude. Bis dahin bestand lediglich ein Erbpachtvertrag mit der Familie Kleinertz. Zum Grundstück gehört ein kleiner Hinterhof, ein kleiner innerstädtischer Garten und ein alter Lagerschuppen, der hinter der Ellenstraße 40 liegt und schon an die Häuser an der Moosgasse grenzt. Eine etwa 2 Meter hohe Mauer trennt das Grundstück von einem schmalen Hof der Ellenstraße 40. Der Grenzverlauf zwischen den Grundstücken war an dieser Stelle lange Zeit strittig und ist es möglicherweise heute noch.<ref>siehe hierzu auch [[Ellenstraße 41]]</ref>  

Version vom 12. März 2021, 11:38 Uhr

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Die Löwenapotheke am Markt um 1935 und 2013. Seit 2013 beherbergt das Haus keine Apotheke mehr.

Dreigeschossiges Wohn- und Geschäftshaus mit Walmdach, Mitte 18. Jh. Zum Buttermarkt hin vier Achsen, zur Ellenstraße eine Fensterachse, die Putzfassade ist an den Ecken durch bossenartig gegliederte Pilaster begrenzt. Eine vertikale Fassadengliederung ist nicht vorhanden. Die Fenster zum Buttermarkt hin besitzen im I. und II. OG noch die alte Sprossenteilung, ebenso das Fenster der rechten Achse im Erdgeschoss. Eingangstür in Sandsteingewände mit Kunstschmiedegitter im Oberlicht. Die Fenster der beiden übrigen Achsen sind einscheibig, entsprechend ihrer Funktion als Schaufenster.[1]


Aus der 200jährigen Geschichte der Löwenapotheke

Am 17. Februar 1810 teilte Kempens Bürgermeister Thissen dem Aachener Präfekten in einem Brief mit, er habe dem ehrenwerten Herrn Nicolas Marcelli, Apotheker in Kempen, die Konzession zugestellt. Im dem Baumeisterhaus Judenstraße 7 an der Ecke zur Alten Schulstraße eröffnete der Apotheker dann die Apotheke 'Zum goldenen Löwen'.

Das Portalfenster der Löwenapotheke Markt 7

Marzellis Nachfolger August Hucklenbroich verlegte die Apotheke 1887 von der Judenstraße in das heutige Gebäude am Markt. Das hieß damals "das Bürgermeisterhaus" oder auch das Tenhoff'sche Haus; denn errichtet hatte es Joseph Tenhaff, der 1800 erster Kempener Bürgermeister unter der französischen Verwaltung war. Seither trägt die Apotheke den Namen "Löwen-Apotheke". Die Oberlichtvergitterung mit zwei geschmiedeten Löwen wurde erst 1949 gefertigt vom Kunstschmiedemeister Fritz Rasch aus Kevelaer.[2] Schon im Adressbuch von 1879 erschienen unter der Rubrik Apotheken zwei Einträge: Dr. J. Reuland und die Apotheke Ignaz Rotering mit dem Inhaber Dr. Ferd. Rotering. Bei Dr. J. Reuland steht die Hausnummer 101.[3] Damals waren die Straßen noch nicht separat nummeriert. Die Nummer passt aber zur heutigen Adresse Buttermarkt 7, wenn man die Nummerierung von der Ellenstraße aus fortführt. Die heutige Ellenstraße 38 wurde hatte nämlich damals definitiv die Hausnummer 98. Offenbar war also in dem Haus schon eine Apotheke, bevor August Hucklenbroich 1884 von der Judenstraße zum Markt zog.

Hermes, S. 87


1899 kaufte Joseph Kleinertz das traditionsreiche Unternehmen. Er war verheiratet mit Ida ten Hompel und starb am 30. November 1925 in Kempen. Nach Verpachtungen an Carl Jünger aus Stolberg vom 12. Januar bis 30.September 1926 und an Julius Seeling aus Bochum vom 16. Oktober1926 bis 30. April 1932 übernahm am 10. Mai 1932 Sohn Rudolf Kleinertz[4] nach Beendigung seiner Studien an den Hochschulen in Aachen, München und Braunschweig die väterliche Apotheke. Rudolf Kleinertz wurde am 18. August 1901 in Kempen geboren. Am 30. März 1932 heiratete er Elisabeth Lentz aus Viersen, mit der er zwei Töchter hatte. Er führte die Apotheke bis zum 30. September 1943 und verstarb am 20. Mai 1947. Bis zum 30. April 1938 war Rudolf Pächter seiner Mutter gewesen, ehe er selbst Eigentümer wurde.

Weiterer Pächter der Kleinetz'schen Apotheke wurden Josef Lerdo aus Boppard (1. Oktober 1943 bis zum 30. September 1957 ), der später die Thomas-Apotheke gegenüber der Burg eröffnete, Danach ging die Löwenapotheke durch Verpachtung an Dr. Hans Skaliks und dessen Ehefrau Ursula geb. Kleinertz, die selbst Apothekerin war, vom 1. Oktober 1957 bis zum 30. April 1961 wieder in Verwandtschaftsbesitz über. Lerdos Praktikant war von 1946 bis 1948 Heinrich Brünsing aus Kempen. Nach dem Pharmazie-Studium in Bonn pachtete er zunächst eine Apotheke in Papenburg bei Leer. Am 1. Mai 1961 übernahm er dann die Apotheke in Kempen. Seitdem wohnte er auch mit seiner Familie in der im ersten und zweiten Obergeschoss gelegenen Wohnung, die sich auch über die heutige Ellenstraße 41 erstreckt. Zur Familie gehörten Ehefrau Margot, geb. Thielebein, sowie die Kinder Claudia, Peter und Thomas. Margot Brünsing lebt heute im Kempener St.-Peter-Stift.[5]

Später wohnte Heinrich Brünsing dort mit seiner zweiten Ehefrau Ursula und deren Sohn Andreas Bruns, der am 1. Oktober 1998 die Apotheke übernahm. 1993 erwarben die Eheleute Brünsing bzw. Ursula Brünsing von Elisabeth Kleinertz auch das Gebäude. Bis dahin bestand lediglich ein Erbpachtvertrag mit der Familie Kleinertz. Zum Grundstück gehört ein kleiner Hinterhof, ein kleiner innerstädtischer Garten und ein alter Lagerschuppen, der hinter der Ellenstraße 40 liegt und schon an die Häuser an der Moosgasse grenzt. Eine etwa 2 Meter hohe Mauer trennt das Grundstück von einem schmalen Hof der Ellenstraße 40. Der Grenzverlauf zwischen den Grundstücken war an dieser Stelle lange Zeit strittig und ist es möglicherweise heute noch.[6]

Heinrich und Ursula Brünsing zogen nach der Übergabe der Apotheke an Sohn Andreas einige Jahre nach Frankreich, kehrten aber bald schon wieder nach Kempen zurück, dann aber zur Von-Saarwerden-Straße. Im Haus am Markt wohnte nur noch Andreas. Er führte die Apotheke teils noch mit Unterstützung durch Heinrich Brünsing bis 2013 weiter. Dann endete abrupt die lange Geschichte der Kempener Löwen-Apotheke. Heinrich Brünsing starb drei Jahre vorher am 29. November 2010 im Alter von 84 Jahren.[7]

Ursula Brünsing hat das Haus bzw. die Häuser (Buttermarkt 7 und Ellenstraße 41) dann verkauft. Die Geschäftsräume wurden umgebaut und vermietet. Seit März 2014 betreibt die Firma Kaatz in dem früheren Labor der Apotheke ein Sanitätshaus - jetzt unter der neuen Adresse Ellenstraße 41. Seit Mitte des Jahres ist auch die darüber liegende Etage wieder bewohnt.

Das Haus Buttermarkt 7 ist in der Denkmalliste eingetragen.

Nördlich am Markt/Ecke Kuhstraße lag von 1847 bis 1895 die zweite Kempener Apotheke, die sich „Zum Goldenen Adler“ nannte.



Einträge in alten Adressbüchern

1898:

  • Frantzen Max, Apothekergehilfe, Markt 7
  • Hucklenbroich August, Apotheker u. Agent, Markt 7

1912:

  • Franz, Rich., Apothekergeh., Markt 7
  • Kleinertz, Jos., Apotheker, Markt 7

1925:

  • Kleinertz Jos., Apotheker, Löwenapotheke, Markt 7

1930/31:

  • Kleinertz Ida, Wwe., Löwenapotheke, Markt 7
  • Seeling Julius, Apotheker, Markt 7

1937:

  • Kleinertz Arnold, Textilvertretungen, Markt 7
  • Kleinertz Jos., Wwe, Löwenapotheke, Markt 7
  • Kleinertz Rudolf, Apotheker, Markt 7
  • Lüllicken Franz, Apothekerpraktikant, Markt 7





Quellen

  1. Satzung der Stadt Kempen für den Denkmalbereich Nr. 1 "Stadtkern Kempen mit umgebenden Wallanlagen" gemäß § 5 Denkmalschutzgesetz für das Land Nordrhein-Westfalen (DSchG) vom 12.April 1990
  2. Kempen.de - Altstadtrundgang
  3. Adressbuch Bürgermeisterei Kempen, 1879, S. 34
  4. Totenzettel von Rudolf Kleinertz
  5. Jakob Hermes widmet den Kempener Apotheken in seinem Buch ein eigenes Kapitel. Vgl. Hermes, Jakob, Das alte Kempen, Krefeld, 1982, S. 83ff. Hier ein Ausschnitt: Am 15. Juli 1899 erhielt Joseph Kleinertz, bis dahin als Apotheker in Bocholt/Westfalen tätig, die Erlaubnis zur Fortführung der von ihm käuflich erworbenen Löwenapotheke. Kleinertz war seit dem 24. November 1893 als Apotheker zugelassen und starb am 30. November 1925 in Kempen. Nach Verpachtungen an Carl Jünger aus Stolberg vom 12. Januar bis 30.September 1926 und an Julius Seeling aus Bochum vom 16. Oktober1926 bis 30. April 1932 übernahm der Sohn Rudolf Kleinertz die Apotheke vom 10. Mai 1932 bis 30. September 1943). Bis zum 30. April 1938 war Rudolf Pächter seiner Mutter gewesen, ehe er selbst Eigentümer wurde. Er starb am 20. Mai 1947. Josef Lerdo aus Boppard pachtete die Löwenapotheke vom 1. Oktober 1943 bis zum 30. September 1957 und führt von diesem Tage an eine eigene Apotheke in Kempen, die Thomas-Apotheke an der Thomasstraße, die er am 1. Januar 1976 an Wolfgang Orthen verpachtete. Die Löwenapotheke ging durch Verpachtung an Dr. Hans Skaliks und dessen Ehefrau Ursula geb. Kleinertz, die selbst Apothekerin war, vom 1. Oktober 1957 bis zum 30. April 1961 wieder in Verwandtschaftsbesitz über. Seit dem 1. Mai 1961 hat der Apotheker Heinrich Brünsing die Löwenapotheke gepachtet, deren Eigentümerin die Witwe des verstorbenen Rudolf Kleinertz ist.
  6. siehe hierzu auch Ellenstraße 41
  7. siehe hierzu und zur Geschichte der Löwenapotheke auch die Artikel in WZ-Newsline vom 17. Februar 2010 und rp-online vom 28. Mai 2012



Zur Straßenliste Buttermarkt (Markt)